Braucht Deine Idee wirklich eine Blockchain?

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In den letzten Blogs haben wir uns angeschaut, welche Bereiche im Unternehmen durch eine Blockchainlösung verbessert werden können und was man dabei beachten sollte. In diesem Blog wollen wir das Thema mal aus der Entrepreneurship Perspektive betrachten und anhand eines kleinen Leitfadens herausfinden, wie man evaluieren kann, welche Ideen tatsächlich eine Blockchain benötigen und an welchen Stellen der Einsatz dezentraler Technologien weniger Sinn ergibt. Ich glaube, dass sich diese Evaluierung gut auf bestehende Prozesse übertragen lässt.

Grundlegend können wir eines festhalten: Ja, die Blockchain löst einige der schwierigen Probleme im Unternehmen. Das bedeutet allerdings nicht, dass du sie zur Lösung aller Probleme nutzen solltest. Du läufst somit nämlich Gefahr, noch mehr Probleme zu erzeugen und das will ja schließlich niemand.

Zum Glück haben 2 schweizer Wissenschaftler, Karl Wüst und Arthur Gervais, ein Paper veröffentlicht, in dem sie erklären, wann man eine Blockchain nutzen sollte. Hier sind einige Fragen, die du dir stellen solltest, um herauszufinden, ob die Blockchain für dich und dein Unternehmen Sinn ergibt. Ganz egal ob es um ein Startup oder ein etabliertes Unternehmen geht. (Die Fragen gehen vom derzeitigem technologischen Stand der Blockchain aus, dies kann in einem Jahr schon ganz anders aussehen)!

1. Ist Datenspeicherung erforderlich?

“Klaus möchte eine App entwickeln, die Nutzern dabei hilft, ihre Lesegeschwindigkeit zu steigern. Braucht er eine Blockchain?”

Klaus entwickelt eine Speed-Reading App, welche dem Nutzer Lektionen und Tips präsentiert, hierbei werden keine Daten gespeichert. Die Blockchain ist eine dezentrale Datenbank und der Sinn und Zweck einer Datenbank ist das Speichern von Daten. Wenn du keine Daten zum Speichern hast, dann brauchst du keine Datenbank und somit keine Blockchain. Sieht dein Geschäftsmodell oder Produkt das Speichern von Daten vor, dann lass uns mit der nächsten Frage weitermachen.

2. Bist du der Einzige, der Daten schreibt/speichert?

“Klaus möchte eine App entwickeln, die Newsartikel von verschiedenen Quellen zusammenfasst und bündelt.”

“Angelikas Business besteht aus zwei weiteren Unternehmen und einem Steuerberater, die im regelmäßigem Austausch von Geld und Daten stehen”

Wüst und Gervais heben hier hervor, dass du keine Blockchain brauchst, wenn du die einzige Person bist, die Daten erstellt. Klaus braucht also definitiv keine. Er kann eine Android oder iOS App entwicklen und seine Zusammenfassungen per Pushbenachrichtigung auf die Geräte seiner Nutzer schicken, das wäre wesentlich günstiger. Ein Zweck von dezentralisierten Datenbanken ist die Vermeidung von Inkonsistenz. Wenn Du die einzige Person bist, die Daten erstellt, so sollte Inkonsistenz von vornherein kein Problem darstellen. (Hier gibt es vielleicht eine kleine Ausnahme, wenn es um Zertifizierungen durch eine zentrale Stelle geht, eine Universität bspw. die ihre Studenten benotet).

Wenn nun, wie im Beispiel von Angelika, mehrere Menschen oder Unternehmen in einer Beziehung zueinander stehen, in der es zu regelmäßigen finanziellen Transaktionen kommt, muss jeder eine eigene Dokumentation darüber führen (Konto, Hauptbuch etc.). Und hier genau kommt es zu Inkonsistenz und Wiedersprüchen, da mehrere Parteien beteiligt sind und Aufzeichnungen über die getätigten Transaktionen übereinstimmen müssen. Hier würde eine Blockchain Sinn ergeben.

In Angelikas Beispiel mussten, vor der Blockchain, alle Beteiligten ein eigenes Hauptbuch führen, was die Wahrscheinlichkeit von Unstimmigkeiten erhöht. Dieses Problem löst der Public Ledger. Hast du also mehrere Ersteller von Daten, dann lass uns mit der nächsten Frage weitermachen.

3. Hast du eine vertrauenswürdige dritte Partei?

“Während meiner Kindheit haben ich und mein Bruder einen regen Tauschhandel geführt (Kleidung, Spielzeug etc.) Immer wenn es Streit gab, griff meine Mutter ein und regelte das Problem zwischen uns”

In diesem Fall war unsere Mutter die vertrauenswürdige Drittpartei. Wir brauchten keine Blockchain. Wenn du einem Dritten vertrauen kannst, als Mediator in deinen Verhandlungen aufzutreten, macht eine Blockchain keinen Sinn. Wenn du niemanden hast, der diese Rolle erfüllt, dann lass uns mit der nächsten Frage weitermachen.

4. Sind die Ersteller der Daten anonym?

“Peter möchte eine App erstellen, die es Menschen ermöglicht, ihre Meinung über Politik und Politiker Kund zu tun. Dabei will er die Privatsphäre der Nutzer schützen.”

Möglicherweise wollen wir nicht bei jedem Einkauf im Supermarkt unsere Identität preisgeben. Kryptowährungen lösen dieses Problem. Wenn du die Privatsphäre deiner Nutzer schützen willst, solltest du eine Blockchain, wie bspw. Ethereum, nutzen. Dies würde auch in Peters Fall eine Plattform kreieren, welche die Identität der Menschen, die sie nutzen, verbirgt. Wenn die Personen in deinem Vorhaben nicht anonym sind, dann lass mich dir die nächste Frage stellen.

5. Vertrauen sich die Ersteller der Daten gegenseitig?

“Ich kann nicht glauben, dass einige Uber Fahrer eine Bewertung von 4.5 Sternen haben. Wird hier manipuliert?

Blockchains lösen das Vertrauensproblem. Zum Beispiel: in einer zentralen Datenbank, kann die zentrale Autorität Daten ihrer Nutzer manipulieren, was im Beispiel des Uber Fahrers durchaus möglich wäre. In einer Blockchain hingegen besitzen alle Nutzer die gleichen Daten.

Bist du nun in einer Situation, in der sich die Nutzer der Daten gegenseitig vertrauen, dann brauchst du keine Blockchain. Vertrauen sie sich nicht, dann beantworte nun die nächste Frage.

6. Benötigst du öffentliche Verifizierung?

“Klaudia möchte die Thunfisch Supply Chain transparenter machen. Sie möchte, dass Menschen wissen, wo der Fisch gefangen, verarbeitet, verpackt etc. wurde”

Möchtest du deine Daten transparenter machen? In diesem Fall braucht du eine öffentliche Blockchain, durch sie wird es der Öffentlichkeit ermöglicht, Daten in deiner Blockchain zu lesen. In Klaudias Situation können somit Menschen, die den Thunfisch kaufen, sichergehen, dass von diesem kein gesundheitliches Risiko ausgeht. Möchtest du nicht, dass deine Daten öffentlich einsehbar sind, sondern nur einer Gruppe von Parteien mit besonderer Berechtigung zugänglich sind, solltest du eine private Blockchain nutzen (Hyperledger).

Die Beantwortung dieser Fragen sollte dir dabei helfen, herauszufinden, ob dein Vorhaben den Einsatz einer Blockchain erfordert. Die Implementierung könnte sehr kostspielig werden, überlege daher, ob durch den Einsatz dezentraler Technologien, wirkliche Probleme und Painpoints beseitig werden.

Wie siehst du den Einsatz der Blockchain? Gibt es einen konkreten Fall, bei dem du meinst, dass ihr Einsatz einen echten Vorteil bieten würde? Lass es mich wissen! 🙂

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