EOS vs. Ethereum — Wo liegen die Unterschiede?

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Der größte Mainstream Hype hinter der Blockchain Technologie richtet sich meist auf Plattformen, welche den Austausch digitaler Werte ermöglichen Kryptowährungen im eigentlichen Sinne, wie bspw. Bitcoin. Alternative Netzwerke, die sich ein weitaus größeres Spektrum an Möglichkeiten, welche die Blockchain bietet, zu Nutze machen, drängen jedoch mehr und mehr in den Fokus. Diese Plattformen dienen als Grundlage für tausende Blockchain Startups, Projekte und dezentrale Applikationen, also das Betriebssystem der Blockchain Ökonomie, wenn man so will.

Das Ziel der Plattformen ist zwar immer das selbe Ziel: Die Bereitstellung einer soliden Grundlage für die Entwicklung dezentraler Applikationen (dapps). In ihrer Struktur, Strategie und Funktionsweise, unterscheiden sich Ethereum und EOS allerdings maßgeblich.

In diesem Blog schauen wir uns die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten der beiden einmal an:

Wettbewerber als dapp Marktplatz

Ethereum ist 2015 als dezentrale Plattform für die Erstellung von Smart Contracts an den Start gegangen.

Smart Contacts sind automatische Verträge, die bei bestimmten Ereignissen in Kraft treten. Die Überwachung und Einhaltung der Verträge erfolgt standardmäßig automatisiert und ist damit jederzeit ohne menschliche Interaktion steuerbar. Beispiel: Ich bestelle etwas im Internet, die Sendung wird zugestellt und in dem Moment, in dem ich bestätige, dass ich die Bestellung erhalten habe, wird automatisch die Zahlung eingeleitet.

Mit Ethereum können Unternehmen also verschiedenste Anwendungen entwickeln, welche bspw. Informationen aufzeichnen und verwalten oder sichergehen, dass Transaktionen nur zu vorher festgelegten Bedingungen durchgeführt werden.

EOS funktioniert nach einem sehr ähnlichen Konzept wie Ethereum, muss sich allerdings erst noch beweisen. Der Launch ist auf Anfang Juni 2018 datiert (Als ich diesen Blog geschrieben habe, waren wir noch genau 10 Std. vom Start der Plattform entfernt). Während es grundlegend einige Ähnlichkeiten zwischen den beiden gibt, unterscheiden sie sich jedoch aus technischer und praktischer Sicht in einigen Punkten.

Beide Plattformen dienen als Umgebung, in der Entwickler verschiedenste Arten von, auf Smart Contracts basierenden dapps entwickeln und bereitstellen können. In der Art und Weise wie diese Aufgabe erfüllt wird, unterscheiden sie sich jedoch maßgeblich.

Da EOS das wesentlich neuere Projekt ist, konnten sich die Entwickler einige technische Neuerungen zu Nutze machen und eine Vielzahl an Innovationen implementieren. So wird bspw. als Konsens Mechanismus ein delegated proof of stake (DPoS) verwendet, welcher zwar einen fundamentalen Kompromiss darstellt, da das Netzwerk somit zentralisierter (21 Miner im Vergleich zu einer Vielzahl an Minern im proof of work Model von Ethereum), aber im Gegenzug deutlich schneller und skalierbarer wird. Gerade die Skalierbarkeit könnte bei erhöhter Adaption und somit gesteigerten Datenmengen zu einem entscheidenden Faktor werden.

Ebenfalls ist mit dem EOS Netzwerk eine wesentlich höhere Flexibilität möglich, da mit Blockchain übergreifende (interchain) Kommunikation und Transaktionen möglich sind.

Das sind die Hauptpunkte, die du verstehen musst, wenn es darum geht, warum Ethereums Vorteil als first mover im Bereich der dapps möglicherweise nicht ausreicht, um die Marktführerschaft langfristig zu erhalten.

Unterschiedliche Zielmärkte

Als Vitalik Buterin, 2013 das Konzept für Ethereum vorstellte, stieß er nicht auf sonderlich viel Begeisterung innerhalb der Crypto Community. Mit dem Release des Whitepapers allerdings, begannen immer mehr Mitglieder der Community zu verstehen, welchen Wert eine Plattform für dezentrale Applikationen tatsächlich haben könnte.

Heute spekuliert man darüber, ob Ethereum die führende Rolle bei der Entwicklung von Smart Contracts im Bereich der Finanziensleitungen einnehmen wird und ob Unternehmen der Branche auf die Ethereum Blockchain setzten oder sich nach Alternativen, wie EOS, umschauen werden.

Der Launch der EOS Plattform steht noch bevor (mittlerweile sind es nur noch 9 Stunden), aber schon jetzt ist der Hype gewaltig. Nicht nur durch den ein Jahr andauernden ICO, in dem $4 Mrd. (richtig gelesen, vier Milliarden Dollar) eingesammelt wurden. Auch die Wette darauf, dass sich EOS, durch die oben aufgeführten technologischen Unterschiede zu einem „Ethereum-Killer“ entwickeln kann, sorgt für großes Interesse der Community. Es ist abzuwarten, ob EOS diese Erwartungen erfüllen kann.

Ich glaube, dass, wenn die Plattform hält was sie verspricht, also die Bereitstellung einer Basis für eine Vielzahl verschiedener dapps, gerade solche, die sehr Ressourcenintesiv sind (und somit Unmengen an Geld verschlingen würden, wenn sie über Ethereum bereitgestellt werden), sie zu einem erstzunehmenden Konkurrenten im Bereich der dapp Plattformen werden kann. Denn auf EOS gibt es keine Transaktionsgebühren, wodurch die Kosten für Entwickler und Nutzer drastisch sinken oder komplett eliminiert werden.

Technologische Unterschiede

Schauen wir uns die Unterschiede auf technologischer Ebene einmal genauer an. Während man im Zusammenhang mit Ethereum keinesfalls über „veraltet“ oder „überholt“ sprechen kann, vor allem, weil man nicht genau weiß, welche nächsten Schritte die Entwickler tatsächlich umsetzen werden, könnte man auf der anderen Seite EOS als „Ethereum mit einem neuen Motor“ oder als „Ethereum On Steroids“ bezeichnen. Denn EOS hofft darauf, jüngste technologische Innovationen nutzen zu können, um die Probleme, mit denen Ethereum derzeit zu kämpfen hat: Skalierbarkeit, Usability und Bandbreite der Funktionalität zu überwinden.

Konsens Algorithmen

Die Ethereum Blockchain nutzt derzeit einen proof of work (PoW) Konsens Algorithmus, welcher nur etwa 15 Transaktionen pro Sekunde abwickeln kann. PoW hält Ethereum ebenfalls davon ab, dapps, welche fehlerhaft sind, zu reparieren, ein Problem, das die Entwickler dazu zwingt, die Blockchain zu Forken, wenn sie einen Fehler beseitigen wollen.

Im Vergleich dazu, startet EOS mit einem delegated proof of stake (DPoS), welcher diesen Engpass der Ethereum Blockhain umgehen soll. DPoS Protokolle bieten einen weiteren entscheidenen Vorteil: Das gesamte Netzwerk kann für eine bestimmte Zeit „eingefroren“ werden, dieses Einfrieren ermöglicht es, den Entwicklern, einzelne fehlerhafte Applikationen zu reparieren, ohne dass der Rest der Blockchain und somit des gesamten Netzwerks davon betroffen ist.

PoW verlangt von den Minern zu beweisen, wie schnell sie es schaffen, Transaktionen zu verifizieren, um im Gegenzug ihre Belohnung zu bekommen (Wenn du an dieser Stelle einen tieferen Einblick in Konsens Algorithmen bekommen willst, empfehle ich dir diesen Blog Post ). Auf der anderen Seite erfordert ein standardmäßiges Proof of Stake (PoS) Protokoll die Bindung einer Bestimmten Anzahl von Token in Form einer Masternode. Masternodes sind Computer (Server), welche verschiedene Aufgaben innerhalb des Netzwerks erfüllen, wie beispielsweise die Bereitstellung einer Infrastruktur für die Bestätigung und Durchführung von Transaktionen. Für dieses „Sichern“ des Netzwerks, erhalten sie eine Belohnung in Form von Token.

Bei einem DPoS Protokoll sind alle Nutzer des Netzwerks, also jeder der Token besitzt, dazu berechtigt eine Gruppe von Delegierten (Im Falle von EOS sind das 21) zu bestimmen, welche die Verifizierung der Transaktionen durchführen und für die Konsensfindung verantwortlich sind.

EOS wählte diesen eher demokratischen Ansatz, um das Risiko einer Zentrierung von Macht über das Netzwerk durch die Konsolidierung einer hohen Anzahl an Token (PoS) oder der Gefahr durch Abhängigkeit großer Player mit viel Rechenleistung (PoW) aus dem Weg zu gehen.

Das EOS Team geht davon aus, dass ihr DPoS Netzwerk in der Lage sein wird, durchschnittlich 1000 Transaktionen pro Sekunde verbieten zu können (bei Release der Plattform). In Zukunft ist dann ein Volumen von zehn oder sogar hunderttausenden Transaktionen pro Sekunden geplant.

An dieser Stelle muss allerdings erwähnt werden, dass auch Ethereum Schritte eingeleitet hat, um dieses Problem zu lösen. Informationen zu den kürzlich veröffentlichten Plänen, bezüglich einer weiteren Fork und der damit verbundenen Einführung von Casper, findest du hier. Casper wird einen Hybrid zwischen PoS und PoW beinhalten.

Programmiersprachen

Ein weiterer Unterschied zwischen Ethereum und EOS sind die Programmiersprachen, die auf den Plattformen verwendet werden können. Ethereum beispielsweise erlaubt nur Applikationen, die in der eigenen Sprache (Solidity) geschrieben wurden. Eine Entscheidung, welche viele Entwickler abschreckt oder zu großen Umstellungen zwingt.

EOS auf der anderen Seite bietet hier eine Kompatibilität zu allen Programmiersprachen, die in den Website Standart „Web Assembly“ (WASM) übersetzt werden können. Da wesentlich mehr Menschen wissen, wie Programme in bspw. C++ geschrieben werden, ist das ein weiteres reizvolles Argument für die Plattform.

Für viele stellt jedoch die horizontale Skalierbarkeit DEN entscheidenen Vorteil des EOS Netzwerks dar. Horizontale Skalierbarkeit bedeutet im Grunde, dass — anders als bei Ethereum — auf der EOS Blockchain, Transaktionen und Smart Contracts gleichzeitig ausgeführt werden können.

Ist EOS wirklich der „Ethereum Killer“?

Auf der einen Seite bleibe ich weiterhin skeptisch, was die Versprechen hinter EOS angeht, bis es handfeste Beweise für diese Behauptungen gibt. Mit der großen Anzahl an bemerkenswerten Features allerdings hat EOS die Chance auf eine aussichtsreiche Zukunft, wenn das Team in der Lage, ist die Pläne umzusetzen. Wie so oft heißt es auch hier: Its all about the execution.

Ethereum auf der anderen Seite hat immer noch seinen Vorteil als First Mover, welcher die Barriere für EOS erhöht. Entwickler haben bereits viel Zeit und Energie investiert, Ethereum zu verstehen und ihre dapps über die Plattform zum Leben zu erwecken. Wenn sie nun auf EOS wechseln, bedeutet das womöglich, dass sie diesen Prozess nochmal von Vorne beginnen müssen. Ist es das wert? Wir werden es sehen.

Aus einer Investmentperspektive habe ich seit Mitte April eine kleine Position in EOS als Absicherung zu Ethereum, welche ich in der Woche vor dem Mainnet Launch noch etwas erhöht habe. Wer mit dem Gedanken spielt, in EOS zu investieren, sollte diesen Blog als Ausgangspunkt seiner Recherche sehen und sich weitere Quellen und Meinungen anschauen. Eine kleine Übersicht, worauf es bei der Analyse von Coins und Projekten ankommt, findest du hier.

Abschließend würde ich sagen, dass diese Konkurrenz beiden Seiten wahrscheinlich sogar gut tut und motivierend wirken kann. So wie wir mehrere Browser oder Betriebssysteme für PCs haben, so benötigen wir in Zukunft ebenfalls eine Auswahl an Plattformen für die Bereitstellung dezentraler Applikationen.

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