Analyse und Bewertung von Kryptowährungen und ICOs TEIL 1: Qualitative Faktoren

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Ich habe bereits vor einigen Wochen einen Blog Post darüber verfasst, wie ich neue Coins und Blockchain Projekte analysiere und bewerte und anschließend viel Feedback und anregende Fragen bekommen, die mich dazu bewogen haben, eine etwas ausführlichere Übersicht über meinen Vorgang bei der Analyse zu geben.

In dem Blog ging es zunächst um ein grundlegendes Schema und die wichtigsten Faktoren, auf die ich achte wurden grob umrissen. In diesem Blog, werden wir uns diese Faktoren genauer anschauen und ich versuche, einen tieferen Einblick in mein „Framework“ für die Analyse von Crypto Projekten zu geben. Ich unterteile dieses Framework in 2 Abschnitte, der erste Teil der Analyse befasst sich mit den qualitativen Faktoren der Bewertung eines Blockchainprojekts oder einer Kryptowährung. Hier geht es darum, möglichst viel über die Hintergründe des Projekts zu verstehen und vor allem das Team dahinter genauer zu beleuchten.

Für eine tiefergehende Analyse benötigst du zusätzlich qualitative Daten. Welche Daten relevant sind und wie du sie auswertest, zeige ich dir in Teil 2, mit Hilfe eines Spreadsheets, das ich für diesen Zweck erstellt habe und zu dem du ab jetzt auch Zugang hast.

Dieses Schema ist auf bestehende Kryptowährungen sowie ICOs anwendbar, hierfür müssen an einigen Stellen, gerade bei der quantitativen Analyse, einige Maßstäbe angepasst werden, allerdings werde ich dich hierauf an den jeweiligen Stellen hinweisen.

Teil 1: Qualitative Daten

Zunächst müssen wir festhalten, dass subjektive sowie datengetriebene Vorgehensweisen, bei einer so jungen Investmentkategorie wie dem Markt für Kryptowährungen nie in Stein gemeißelt sind. Wir müssen uns ständig anpassen und unsere neuen Erfahrungen berücksichtigen.

Nur sehr wenige Investoren haben langfristige Erfahrung mit der Vorhersage und Antizipation neuer Asset Klassen, denn es gibt keinen vergleichbaren Markt, der auf Grund seiner historischen Daten Aufschluss über das Wachstum von Blockchain und Kryptowährungen geben könnte. Auch bei Vergleichen zur Entwicklung des Internets, die gerne als Maßstab herangezogen werden, bin ich eher vorsichtig.

Da wir uns also nicht auf Daten verlassen können, die wir bei Investitionen in den traditionellen Anlageformen berücksichtigen würden (dazu mehr im 2. Teil) spielen andere Faktoren eine dominante Rolle. Es ist wichtig, ein persönliches Schema zu entwicklen, das, trotz der Tatsache, dass du niemals alle Antworten auf deine Fragen kennen wirst, auf Logik und Sicherheit basiert.

Einen Vorteil, den wir in diesem jungen Markt, haben, ist, dass wir, wenn es uns gelingt, qualitativ hochwertige Projekte zu identifizieren und Shitcoins aus unseren Portfolios zu verbannen, wir nicht unbedingt den absoluten Gewinner einer Branche oder Kategorie auswählen müssen, um überragende Profite zu erzielen. Genau dabei möchte ich dir in diesem E-Book helfen.

Werfen wir einen genaueren Blick auf die 6 Faktoren eines Projekts, die uns bei der qualitativen Analyse am meisten interessieren:

  1. Vision
  2. Team
  3. Marktpotential
  4. Tokenomics
  5. Adoptionsstrategie
  6. Wachstumspotential

1. Vision

Ein Mangel an Vision ist  bei den wenigsten Projekten ein Problem. Ganz im Gegenteil, viele Projekte versprechen eine revolutionäre Blockchain, die die Zukunft der Menschheit maßgeblich verändern wird. Das klingt auf den ersten Blick meist beeindruckend, aber trotzdem solltest du dir selbst ein Bild davon machen, inwieweit diese Vision auch tatsächlich in die Realität umgesetzt werden kann. Nutze deinen eigenen Blick auf die Realität und vor allem deinen gesunden Menschenverstand, um Klarheit darüber zu schaffen, ob das, was das Projekt verspricht möglich und noch wichtiger, überhaupt notwendig ist.

Ein erkennbarer, klar formulierter Nutzen für den Coin steht hier absolut im Vordergrund. Ist dieser nicht zu finden, kann man sich die folgenden Schritte von Anfang an sparen. Wenn der einzige Grund für den Nutzer darin besteh, einen Coin zu halten, weil er auf eine Wertsteigerung hofft, ist das Anzeichen für ein hoch riskantes Investment.

Hier sind einige Fragen, die du stellen solltest, um den tatsächlichen Nutzen eines Coins zu bestimmen: 

  • Gibt es einen konkreten Anwendungsfall und wird dadurch ein Problem gelöst?
  • Stellt die beabsichtige Lösung eine maßgebliche Verbesserung zur herkömmlichen Methode dar?
  • Wird der Token tatsächlich benötig, ist er Teil der Lösung?
  • Sind die Vorteile messbar und verständlich?

2. Team

Da wir bei der Analyse kaum auf harte Fakten zurückgreifen können, wird das Team zu einem der wichtigsten Faktoren bei der Beurteilung des Erfolgspotenzial eines Projekts. Hierbei solltest Du vor allem auf den Werdegang der einzelnen Teammitglieder und eine ausgewogene Zusammensetzung bezüglich Hintergrund und Fähigkeiten achten.

Ebenso wichtig, wie das Kernteam, sind die Berater und Investoren, hierdurch lässt sich sehr gut der Stellenwert eines Projektes innerhalb der Szene bemessen. Außerdem können sie zu einem entscheidenen Erfolgsfaktor werden, vor allem bei Projekten mit wachsender Konkurrenz oder in Branchen, die stark von Netzwerken oder Kontakten zu großen Playern einer Industrie abhängig sind (Ein Beispiel hier wären Blockchainprojekte im de Supply Chains, diese sind von Industriegrößen abhängig, hier können Berater mit den richtigen Kontakten zu einem kritischen Faktor für Erfolg oder Misserfolg eines Projekts werden.) Aber auch der zusätzliche Wissensstand, den der richtige Berater einbringt, ist ein entscheidender Faktor.

Hier sind einige Fragen, die du dir stellen solltest, wenn du ein Team beurteilst:

  • An welchen Projekten haben die Teammitglieder in der Vergangenheit gearbeitet?
  • Waren diese erfolgreich?
  • Gibt es Berichte über unsaubere Geschäfte oder Schlimmeres in der Geschichte der Teammitglieder?
  • Sind die Manager der einzelnen Bereiche (mindestens) ausreichend qualifiziert für ihre Aufgaben?
  • Wie erfahren sind die Berater?
  • Waren diese Berater in der Vergangenheit an erfolgreichen Projekten beteiligt?

3. Marktpotential

Wir haben die Frage, ob ein Token einen Nutzen erfüllt, bereits beantwortet, jetzt geht es darum, für wen und vor allem für wieviele potenzielle Anwender der besagte Token diesen Nutzen erfüllen kann. Ich empfehle hierbei, den Fokus zunächst auf große , leicht verständliche Märkte zu legen. Um erfolgreich zu sein, sollte ein Projekt langfristig (zu Beginn reicht vielleicht ein kleiner Zielmarkt) einen dieser großen Märkte bedienen.

Kurz gesagt: Für großes Wachstum braucht es ein genau so großes Marktpotential, um eine hohe Nachfrage nach dem Token kreieren zu können.

Um das Marktpotential einer Kryptowährung  zu bestimmen, gibt es zwei Wege, welche du beide nutzen solltest, da sie verschiedene Aspekte der Analyse eines Marktes abdecken:

  • Als erstes solltest du dir die Industrie/Branche anschauen, in die ein Projekt einsteigen will und herausfinden, welchen Teil der Branchen das Projekt realistischerweise ansprechen kann und wie groß dieser Markt ist.
  • Als nächstes solltest du dir die Sozial-Media Channels des Coins einmal anschauen und darauf achten, wie groß und aktiv die Community hinter dem Projekt wirklich ist. War ein ICO innerhalb kurzer Zeit ausverkauft und ist die Community engagiert und zeigt Begeisterung für das Projekt, sind das deutliche Hinweise auf eine starke Nachfrage des Markts, zumindest kurz bis mittelfristig.

Hier sind einige Fragen, die du dir stellen solltest, wenn du das Marktpotential eines Projekts untersuchst:

  • Wie groß ist die Anzahl der potentiellen Nutzer, derzeit und in Zukunft?
  • Gibt es genügend potenzielle Nutzer, um die Nachfrage nach dem Token oder Coin auf ein ausreichendes Level zu heben? (Hier bietet sich der Vergleich zu anderen Projekten an, die schon länger am Markt bestehen)
  • Besteht das Potential, eine Industrie oder Branche durch dieses Blockchain Projekt zu revolutionieren?
  • Befindet sich diese Branche im Wachstum oder schrumpft sie eher?
  • Hat das Unternehmen Wettbewerber, welche das gleiche Problem lösen wollen?
  • Wenn ja, wie setzt es sich von den Wettbewerbern ab?
  • Wie siehst du die Zukunft dieser Branche?
  • Wird das gelöste Problem zunehmen oder wird es andere Faktoren geben, die es lösen?
  • Lässt sich die Problemlösung möglicherweise auf weitere Industrien ausweiten, was zu einer Multiplikation des Marktpotentials führen würde?

4. Tokenomics

Tokenomics beschreibt das Design eines Tokens, sowie die Rahmenbedingungen und mathematischen Gegebenheiten, unter denen er in seinem Ökosystem funktioniert. Auf der ersten Ebene (Design) beschreiben gute Tokenomics einen Token, der für alle Stakeholder eines Systems (Kunden, Nutzer, Investoren etc.) interessant wird. Hier solltest du als erstes darauf achten, denn wir kommen wieder zu der Frage, ob ein Token wirklich einen Sinn und Zweck erfüllt.
Gutes Token Design sollte:

  • Den Nutzern des Tokens einen Wert in Form von Vorteilen bieten.
  • Einen Zweck innerhalb des Netzwerks (für alles Stakeholder) erfüllen.
  • Nutzer dafür belohnen, zu Early Adoptern zu werden.
  • Nutzer dazu animieren, neue Nutzer in das System einzubringen.
  • Einen langfristigen spekulativen Wert bieten, der Investoren dazu bringt, den Token langfristig zu halten.

Auf der anderen Seite der Tokenomics geht es um die mathematische Basis einer Kryptowährung und der dahinter liegenden Blockchain:

  1.  Preis pro Token (Kurs)
  2. Total Circulating Supply (alle Coins, die derzeit im Umlauf sind) – Hierbei reicht die Spanne von Coins wie Zcash (4.000.000) bis zu Coins wie KIN (756.000.000.000). Einer der größten Fehler, die Anfänger im Cryptomarkt machen, ist nur auf den Preis eines Coins zu schauen und dabei außer acht zu lassen, wie viele Coins es eigentlich gibt. Hier spielt die Marktkapitalisierung eine entscheidende Rolle.
  3. Marktkapitalisierung (ergibt sich aus der Multiplikation von aktuellem Preis und der Anzahl der Coins, die im Umlauf sind, vereinfacht dargestellt.) – Bleiben wir beim Beispiel von eben. Ein Coin, nennen wir ihn mal Ripple, hat einen Supply von 39.000.000.00 und einen Preis pro Coin von 50 Cent. Bitcoin hingegen hat einen Supply von ca. 17.000.000. und einen Preis von $7.000. Die Marktkapitalisierung von Bitcoin ist ca. 5 mal so hoch wie die von Ripple. Steigt nun also der Preis von Ripple um ein 5-faches an, erreicht die Marktkapitalisierung ein Level, wie das von Bitcoin jetzt. Wie realistisch ist also ein Preis von $100, $1000, oder $2000? Achte nie allein auf den Preis oder kaufe einen Coin, weil er „billig“ ist, beziehe immer zumindest die Marktkapitalisierung mit ein. Was nicht bedeuten soll, dass man keine „High Cap Coins in seinem Portfolio haben sollte, aber dazu später mehr.
  4. Trading Volume (das Handelsvolumen eines Coins) – gibt Aufschluss darüber, wie aktiv ein Coin gehandelt wird, diese Kennzahl ist wesentlich interessanter bei kurzfristigen Trades, aber auch bei langfristigen Investitionen kann sie eine Rolle spielen, denn niemand möchte in einen „toten“ Coin investieren, der nicht mehr gehandelt wird.
  5. Transaktionsdauer (Wie lange dauert eine Transaktion innerhalb einer Blockchain) – wichtig, wenn man verschiedene Projekte vergleicht, die miteinander konkurrieren und man Rückschlüsse auf die Skalierbarkeit ziehen will.

Hier sind einige Fragen, die du dir stellen solltest, wenn du die Tokenomics eines Tokens bewertest:

  • Erlaubt der Token seinen Nutzern einen Vorteil, die sie ohne ihn nicht hätten?
  • Gibt es Grund zur Annahme, dass sich der Wert des Tokens durch seine Nutzung und somit Nachfrage innerhalb des Netzwerks steigern wird?
  • Ist das Netzwerk in dem der Token verwendet werden soll wirklich dezentral?
  • Werden Mittelsmänner und zentrale Einheiten durch die Nutzer ersetzt und werden diese dafür vergütet?
  • Wie ist das Verhältnis zwischen Preis, Supply und Markkapitalisierung?
  • Investierst du in einen Coin mit viel Wachstumspotential (niedriger Market Cap, niedriger Preis) oder einfach nur in einen Coin mit niedrigem Preis (hoher Market Cap und hoher Supply)?

5. Adaptionsstrategie

Eine Vision allein macht noch lange kein erfolgreiches Unternehmen. Wenn diese Vision niemals in die Tat umgesetzt wird oder das Produkt niemals genutzt wird, ist jede noch so gute Idee wertlos.

Adaption ist die Brücke zwischen Vision und Revolution. Die meisten Blockchainstartups gehen sehr offen mit ihrer Strategie für die Verbreitung ihrer Coins um. Der wichtigste Aspekt dabei ist die Roadmap. Ein ganz entscheidender Punkt bei der Analyse eines Projekts ist ein genauer Blick auf die Roadmap, diese ist in der Regel auf der Website des Projekts zu finden und sollte zumindest für die nächsten 24 Monate einen klaren Plan beinhalten. Nimm diese Roadmap niemals als Garantie für das, was das Team tatsächlich am Ende abliefert, viele Teams verfehlen die Meilensteine ihrer Roadmap, entweder zeitlich oder der versprochene Entwicklungsstand konnte nicht erreicht werden.

Hier sind einige Fragen, die du dir stellen solltest, wenn du das Potential für die Adaption eines Coins untersuchst:

  • Beinhaltet die Roadmap eine klare Wachstumsstrategie und ist die realistisch?
  • Hat das Unternehmen ein erfahrenes Marketing Team?
  • Gibt es eine öffentlich einsehbare Marketingstrategie?
  • Wie konnte das Team, bezüglich der Roadmap, bisher abliefern?
  • Wurden wichtige Meilensteine innerhalb der Deadline erreicht?

6. Wachstumspotential

Viele der jungen Unternehmen in diesem Markt sind noch nicht lang genug aktiv, um ein fertiges Produkt anbieten zu können. Sie veröffentlichen Test-Nets (Testumgebungen) und Beta Versionen ihrer Produkte, um Investoren von sich zu überzeugen. Zu Beginn sind spekulative Investments dieser Investoren, das, was ein Projekt antreibt und seinen Fortbestand sichert. Diese Investments sich wichtig, da sie dem Team überhaupt erst ermöglichen, ihre Ziele anzugehen. Das Potential ist hier entscheidend.

Hier sind einige Fragen, die du dir stellen solltest, wenn du das Wachstumspotential eines Coins analysierst:

  • Basierend auf den vorherigen Schritten: Ist der Coin unterbewertet?
  • Ist das Handelsvolumen niedrig?
  • Was sind die Gründe für das niedrige Handelsvolumen? (Coin wird nur auf kleinen Exchanges gehandelt oder das Interesse der Öffentlichkeit ist zu gering)
  • Wie verhält sich der Preis bei positiven Nachrichten oder dem Erreichen von Meilensteinen?
  • Gibt es einen Hype um das Projekt?
  • Gemessen an vergleichbaren Branchen oder den derzeitigen großen Playern einer Industrie: Wenn es dem Projekt gelingt, wirklich ein Problem zu lösen, wie sähe der Wert dann aus?
  • Ist der Token ein Bestandteil der Lösung und wird sich dadurch die Nachfrage erhöhen?

Du solltest dir immer vor Augen führen, dass du kurzfristig viel Geld verdienen kannst, gerade in einem Bullenmarkt ist es fast egal, in welchen Coin du investierst. Aber um eine langfristig überdurchschnittliche Rendite mit deinem Portfolio zu erzielen und dabei so wenig Risiko wie möglich einzugehen, solltest du die oben aufgeführten Punkte verinnerlichen.

Im zweiten Teil schauen wir uns die quantitativen Daten an, welche bei der Analyse von Kryptowährungen und Blockchainprojekten eine Rolle spielen.

Hier gehts zu Teil 2 

“Risks come from not knowing what you are doing”— Warren Buffet

Ein Kommentar zu „Analyse und Bewertung von Kryptowährungen und ICOs TEIL 1: Qualitative Faktoren

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