3 Missverständnisse über Bitcoin

Bildschirmfoto 2018-07-31 um 13.02.00Trotz oder vielleicht gerade durch die weiter ansteigende mediale Präsenz von Bitcoin und Kryptowährungen ist zu beobachten, dass ein Großteil der Diskussionen und somit Meinungen zu dem Thema leider immer noch von Fehlinformationen geprägt sind. Viele dieser Meinungen erscheinen mir als hätten sie ihren Ursprung in ewig wiedergekäuten Gerüchten und Halbwahrheiten, die auf lückenhaftem Verständnis für das Thema beruhen. Die drei größten Argumente gegen Bitcoin, die ich häufig höre sind:

1. Bitcoin wird für illegale Aktivitäten genutzt
2. Bitcoin ist durch nichts gedeckt
3. Bitcoin ist unreguliert und damit unsicher

Zunächst muss man sagen: Alle drei Dinge stimmen, allerdings müssen wir uns die Auswirkungen der einzelnen Punkte genauer anschauen, um zu verstehen, dass vermeidliche Contra Argumente, möglicherweise eher Pro Argumente sind.

1. Bitcoin wird für illegale Aktivitäten genutzt

Eines der immer wiederkehrenden Argumente ist, dass Bitcoin für illegale Zwecke wie Geldwäsche oder Drogenhandel genutzt wird. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Studien zu dem Thema, wie das kürzlich veröffentlichte Forschungspapier mit dem Namen „Sex, Drugs, and Bitcoin: How Much Illegal Activity is Financed Through Cryptocurrency“ (LINK). In ihrer (im Januar 2018 veröffentlichten) Arbeit argumentieren die Forscher, dass Transaktionen für illegale Zwecke im Wert von . $72 Milliarden USD pro Jahr mit Hilfe von Bitcoin abwickelt werden. Was ca. der Marktgröße für illegale Drogen in Europa und den USA entspricht. Bedenkt man, dass Bitcoin Ende 2016 eine Marktkapitalisierung von $14 Milliarden hatte, spricht das Bände über den Umfang der illegalen Aktivitäten, die mit Bitcoin abgewickelt werden.

Kein Zweifel, die ersten Anwendungsfälle neuer Technologien haben oftmals eine Verbindung zu kriminellen Aktivitäten. So auch beim Bitcoin, Verschleierung und somit Anonymität passen perfekt zu den Anforderungen des illegalen online Handels. Im Jahre 2013 wurde der größte Online Schwanzmarkt Silkroad (LINK) durch das FBI hochgenommen und in diesem Zusammenhang kam es zur Beschlagnahmung von 150.000 Bitcoin.

“In recent years (since 2015), the proportion of bitcoin activity associated with illegal trade has declined… [due to] an increase in mainstream and speculative interest in bitcoin.“

– Sex, Drugs, and Bitcoin: How Much Illegal Activity is Financed Through Cryptocurrency?

Allerdings ist es in den Jahren nach dem Silk Road Vorfall zu einem Wendepunkt bezüglich Adaption und Anwendungsfälle für den Bitcoin gekommen. Die Forscher heben hervor, dass in den letzten Jahren (seit 2015) proportional betrachtet, der Anteil der Bitcoin Aktivität, die mit Schwarzmarkthandel in Verbindung gebracht werden kann, gesunken ist. Ein Hauptgrund dafür ist laut der Forscher das Aufkommen neuer Kryptowährungen, die besser geeignet sind, um die Aktivitäten eines Nutzers zu verschleiern, wie bspw. Monero oder Zcash. Ein weiterer Grund sei die Zunahme der Mainstreamadaption und ein gesteigertes Interesse auf Seiten der Spekulanten und Investoren. In anderen Worten: Je mehr Menschen Bitcoin nutzen, desto geringer wird der Anteil an Transaktionen für illegale Zwecke.

“The very nature of cash, as opposed to bank deposits, is that it is pretty much untraceable. In practice, the currency in our wallets is only the tip of the monetary iceberg: the vast majority lies beneath the surface of the economy, stashed away in mattresses and warehouses, held overseas or circulating illegally on the black market.”

– We Don’t Need Cash, Let’s Abolish It Outright

Auf der anderen Seite veröffentlichte Wirtschaftswissenschaftler Ed Conway im März 2015 ein ein Paper mit dem Namen: „We Don’t Need Cash, Let’s Abolish It Outright“. Um Verwirrungen vorzubeugen, ich nehme an, dass die Argumentation sich hierbei ausschließlich auf „Cash“ im Sinne von physischem Bargeld richtet. Nur etwa 10% des gesamten Geldes der Welt existiert in Form von Bargeld, die restlichen 90% sind bereits digitale Währungen. Ähnlich wie Bitcoin und andere Kryptowährungen liegt es in der Natur von Bargeld, dass es nicht zu überwachen und nur schwer zurückzuverfolgen ist. Hiermit kommen wir zu einem sehr interessanten Vergleich, was Transaktionen im Bereich illegaler Aktivitäten angeht.

In einer seiner 2013 veröffentlichten Studie „Costs and Benefits to Phasing Out Paper Currency“ erklärt Wirschaftswissenschaftler Keneth Rogoff, dass in den meisten Ländern 50% des Bargeldbestandes dazu genutzt wird, Transaktionen zu verschleiern. Die Anonymität von Papiergeld macht es immer noch zur absoluten Nummer eins für Zahlungen, die nicht zurück verfolgbar sein sollen. Im Jahr 2013 waren laut Rogoff 78% des sich im Umlauf befindenden Bargelds in den USA 100 Dollar Scheine, der Anteil der 10 Dollar Scheine und alles was kleiner ist, machte demnach nur einen Anteil von 4% aus. Wenn man nun darüber nachdenkt, wie oft ein gesetzestreuer amerikanischer Bürger wohl eine Transaktion mit einem 100 Dollar Schein tätigt und dass es wesentlich wahrscheinlicher ist, dass er überwiegend kleinere Scheine nutzt, stellt sich die Frage, wer die vielen großen Scheine nutzt und vor allem wofür sie genutzt werden?

Die Studie besagt, dass rund 48% aller Bitcoin Transaktionen für illegale Aktivitäten und Schwarzmarkthandel genutzt werden. Wie bereits angesprochen, kann man das gleiche über Bargeld sagen, hier sind es 50%. Ein großer Unterschied besteht jedoch bei den langfristigen Trends und Entwicklungen. Während beim Bitcoin der Anteil an Transaktionen im Bereich illegaler Aktivitäten zurückgeht, ist es im Falle von Bargeld ein zunehmendes Problem.

Natürlich sind auch 48% ein alarmierend hoher Anteil, die Tatsache, dass dieser Anteil durch eine erhöhte Adaption sinkt, ist jedoch ein gutes Zeichen. Nüchtern betrachtet müssen wir feststellen, dass illegale Aktivitäten und Transaktionen sowieso stattfinden werden, unabhängig von der Existenz einer Kryptowährung wie dem Bitcoin. Schuld sind nicht Bitcoin oder Bargeld allein, sondern beide, da sie ähnliche Charakteristiken vorweisen, was die Verschleierung von Transaktionen angeht.

2. Bitcoin ist durch nichts gedeckt

Der nächste weitverbreitete Kritikpunkt an Bitcoin ist, dass er in keinerlei Hinsicht durch einen physischen Wert gedeckt ist. Stimmt, dass gleiche trifft jedoch auch auf unserer derzeitiges Finanz- und Währungssystem zu. Nehmen wir erneut den US Dollar als Beispiel: Präsident Roosevelt schaffte 1933 den Goldstandart ab, bis dato war der US Dollar durch physisches Gold gedeckt.

Man könnte argumentieren, dass der praktische Wert von Gold bspw. in seiner Formbarkeit oder seiner Leitfähigkeit liegt und man es somit für Schmuck oder zur Herstellung von Platinen verwenden kann. Dann müssen wir allerdings in Betracht ziehen, dass der praktische Wert von Papier seine Brennbarkeit ist und Bargeld somit dazu verwendet werden könnte, Wärme zu erzeugen. Somit hätte Bargeld einen inhärenten Wert und müsste nicht durch Gold gedeckt werden. Realistisch betrachtet stellen wir jedoch fest, dass die wenigsten Menschen Gold einschmelzen, um daraus Platinen herzustellen, ähnlich wie sie Ihre Wohnung nicht durch das Verbrennen von Bargeld heizen. Der Großteil des Wertes von Gold liegt schlicht im Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Mehrheit des Bargeldes, welches an Gold gekoppelt war ebenfalls in diesem Verhältnis aus Angebot und Nachfrage lag. Durch die Entkopplung der Währung vom physischen Faktor Gold, hat die Regierung unter Roosevelt ein System etabliert, das zwar weiterhin auf Angebot und Nachfrage basiert, bei dem allerdings die Angebotsseite, in Form der Federal Reserve, kontrollierbar ist.

Bitcoin basiert ebenfalls auf diesem Spiel aus Angebot und Nachfrage, allerdings gibt es beim Bitcoin keine zentrale Einheit, die die Angebotsseite kontrollieren könnte und hier liegt der große Unterschied zu Währungen wie dem US Dollar oder dem Euro. Es wird 21 Mio. Bitcoin geben, mehr können nicht „gedruckt“ werden.

3. Bitcoin ist unreguliert und damit unsicher

Ein weiteres Argument gegen Bitcoin ist, dass der gesamte Markt der Kryptowährungen, im Vergleich zu anderen Anlageklassen, kaum reguliert ist. Ob diese Tatsache nun eher ein Vorteil oder ein Nachteil ist, sollte an anderer Stelle diskutiert werden. Was wir festhalten müssen, ist, dass sich diese neue Welt der Kryptowährungen in einem sehr frühen Stadium befindet und ein langsames Herantasten an Regulierungen und Vorschriften, mit Sicherheit die beste Herangehensweise ist, wenn man den Markt an sich nicht gefährden will und ihm Zeit geben will, sich selbst zu formen, bevor man ihn in ein straffes System aus Regeln und Gesetzen zwängt. Denn nur weil etwas reguliert wird oder unter Anweisung bestimmter Regeln funktioniert, heißt das nicht, dass es zwangsweise gut ist.

Wie wir festgestellt haben, leben wir ohnehin bereits in einer Welt, in der 90% unseres Geldes nur noch in digitaler Form vorhanden ist und wir uns langsam vom Bargeld verabschieden und akzeptieren müssen, dass digitale Währungen der Standart sind. Bitcoin ist so eine digitale Währung, mit dem großen Unterscheid, dass Bitcoin auf Dezentralisierung basiert und von der Abhängigkeit gegenseitigem Vertrauens losgelöst ist. Natürlich benötigen wir in Zukunft verschärfte Regulierungen in diesem Bereich, allein um eine stärkere Adaption zu fördern. Sind diese Regeln und Gesetze an diese neue Form der digitalen Währung angepasst und auf sie abgestimmt, haben wir die Chance, ein weitaus faireres und effizienteres Währungssystem als das uns bekannte zu etablieren.

 

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